Magie im Wandel

Einer unserer Buddhas im Garten hat Besuch bekommen:
Eine Libellenlarve hat sich an seinem Kopf angeheftet.
Ein stiller, tiefgreifender Wandel beginnt – das alte Wesen löst sich auf, damit ein neues entstehen kann.
Wieder einmal darf ich einem Wunder der Natur beiwohnen.
Dieses Bild erinnert mich an die Theorie des Imagoprozesses – den Wandel von der Raupe zum Schmetterling.
Was viele nicht wissen:
Wenn in der Raupe die ersten Wandlungszellen – sogenannte Imagozellen – entstehen, bekämpft ihr Immunsystem sie zunächst. Es wehrt sich gegen das Neue, gegen das Unbekannte. Erst wenn es genügend dieser Zellen gibt, kann die Verpuppung beginnen.
Dann folgt eine Phase des völligen Rückzugs: äusserlich unbeweglich, innerlich voller Umstrukturierung.
Dieser Prozess lässt sich nicht beschleunigen.
Er braucht Zeit, Dunkelheit, Geduld.
Und auch beim Schlüpfen gilt: Hilfe von aussen – etwa ein aufgeschnittener Kokon – würde den Schmetterling töten.
Er muss seinen Weg selbst gehen.
Ich kenne dieses Gefühl.
Wandel, Unruhe, das Flüstern von Aufbruch – und doch heisst es: ausharren.
Still werden.
Dem Neuen Raum geben, bevor es bereit ist, sich zu zeigen.
Dass sich dieses kleine Wesen ausgerechnet den Kopf unseres Garten-Buddhas ausgesucht hat, berührt mich tief.
Es erinnert mich daran, dass echte Wandlung geistige Weite braucht – und meist auch Zeit.
Mit liebem Gruss
Ute